5. Dezember 2017 gravitycoach

Es geht schon längst nicht mehr um reine Fitness …

Bewegung bedeutet Leben! In jeder Zelle unseres Körpers ist Bewegung. Jedes Haar, jeder Muskel, jede Faszie, ja sogar jeder Knochen erneuert regelmäßig seine Zellen und ist somit in “Bewegung”.

Doch bewegen wir uns heutzutage noch artgerecht?

Ist die Qualität unserer Bewegung ausreichend, um gesund zu bleiben? Und wie sieht ein richtiges und adäquates Training aus?

Wenn man sich die Geschichte der Menschheit genauer anschaut wird schnell klar, dass sich der Mensch heute entgegen seiner Evolution verhält. Wusstet Du zum Beispiel, dass wir die besten Ausdauerläufer der Erde sind? Es gibt kein Lebewesen, das so lange am Stück laufen kann, wie wir. Kein Pferd, kein Gnu, kein Löwe und kein Hund schafft es, so lange Distanzen am Stück zu laufen, wie es unser Körper im Prinzip vermag. Dies ist kein Zufall, sondern geradezu logisch. Als einziger aufrecht gehender Primat, spart unser Körper aufgrund seiner Haltung enorm viel Energie. Ein artverwandter Affe, wie der Schimpanse benötigt für das Gehen bis zu 70% mehr Energie, als wir Menschen. Warum?

Nun, der Affe nutzt alle vier Gliedmaßen, um sich fortzubewegen, was durch den hohen Muskeleinsatz viel Energie kostet. Zudem haben wir Füße, die im Laufschritt wie kleine Sprungfedern funktionieren. Das spart Kraft.

Also völlig zu unrecht werden Füße heutzutage stiefmütterlich behandelt. Bilden sie mit ihren 100 Muskeln pro Fuß doch unser Fundament! Wir sprechen hier also von nahezu ein Drittel aller Muskeln nur für die Füße. Zum Vergleich: der menschliche Körper besitzt ca. 650 Muskeln. Niemand trainiert adäquat diese wichtigen Körperteile. Stattdessen wird jenes, was uns mitunter zum erfolgreichsten Ausdauer-Jäger aller Zeiten gemacht hat, in klobiges Schuhwerk reingepresst. Viel zu enge “Käfige” für unsere Zehen und Fersenkeile beeinflussen unsere Bewegungskompetenz zum negativen. Können vor allem eine halbe Millionen Propriozeptoren in den Fußsohlen uns keine richtige Wahrnehmung für eine gute Körperhaltung  liefern.

Tiefe Hocke

Auch ist interessant, dass die effizienteste Pausenposition des Homo Sapiens die tiefe Hocke ist.

Oft sichtet man diese noch im asiatischen Raum oder bei Naturvölkern. Warum nicht mehr bei uns? Ganz einfach, weil wir sie in unserem Alltag nicht mehr brauchen. Was aber nicht heißt, dass unser Körper es nicht braucht. Menschen, die noch in der Lage sind problemlos für lange Zeit in die tiefe Kniebeuge zu kommen, haben nachweißlich weniger orthopädische Probleme. Die tiefe Hocke ist tatsächlich eine Art evolutionäres Erbe unseres Körpers. Wir sind also dafür gemacht!

Doch was machen wir alltäglich mit unserem Bewegungswunder “Körper”? Nicht viel. Heutzutage sitzen wir nicht selten 8 Stunden täglich und mehr. Wir essen im Sitzen, Lernen in Schulen und auf der Uni im Sitzen und arbeiten oft mehrere Jahrzehnte im Sitzen. Nutzen Busse, Bahn und Autos um von A nach B zu kommen und lassen den Tag oft auf der Couch im Sitzen oder krumm rumlümmelnd ausklingen.

Doch unser Körper ist von der Natur geschaffen worden, um bis zu 40 Kilometer am Tag zu Laufen und zu gehen. Zu klettern, zu krabbeln zu springen und vieles mehr. Und da wundern wir uns warum wir bei unserer zivilisierten Lebensweise schmerzhafte Bandscheibenvorfälle erleiden, Knieschäden davontragen und keine uneingeschränkte Lebensqualität genießen können? Für viele ist eine Erfindung der Neuzeit, das Fitnessstudio, die Lösung. Man begibt sich auf klobige Kraftmaschinen und wieder drückt oder zieht man diverse Gewichte … im Sitzen. Oder man stellt sich wie ein Hamster im Laufrad auf Cardiogeräte, um lästige Pfunde runterzustrampeln. Der neuste Schrei: EMS- Training, wo mit Hilfe von Stromimpulsen der Körper 20 Minuten lang zu Höchstleistungen getrimmt wird. Und das in einer schnelllebigen Zeit, wo jeder ohnehin viel Stress hat?! Ich frage mich, was das mit Fitness zu tun hat.

Move more… but the right way! Es gibt zwar keine falschen Bewegungen in dem Sinne, aber es gibt oft essentielle Bewegungen, die in unserem Bewegungsvokabular fehlen.

Diese Missing Links in der eigenen Bewegung zu finden und zu beheben sollte für einen gesunden Körper oberstes Gebot sein. Das lässt sich auch wunderbar mit einem ästhetischem Ziel verbinden. Doch ist die reine Körperästhetik in vielen Fällen wichtiger, als der richtige und natürliche Umgang mit dem eigenen Körper. Wenn wir nicht in der Lage sind , unser eigenes Körpergewicht zu meistern, sollten wir unseren Körper nicht noch mit externen Ladungen zusätzlich belasten. Unser Körper ist den ganzen Tag bereits mit seinem vollen Körpergewicht beladen und durchläuft verschiedene Bewegungsmuster mit dem eigenen Körpergewicht. Macht es dann nicht Sinn, den Körper mit dem eigenen Körpergewicht in seiner Fitness zu steigern?

Welche Art von Bewegung brauchen wir also?

Hier kommt der Begriff  „Movement“ ins Spiel, welchen man als freie, natürliche und dreidimensionale Bewegungen bezeichnen kann. Es werden Bewegungen berücksichtigt, für die wir von Mutter Natur gemacht worden sind. Die wir regelmässig wie Vitamine unserem Körper zuführen müssen, wie z.B. Krabbeln, Springen, Sprinten, Hocken, Drücken, Ziehen, Tragen, Stoßen, Rotieren, Balancieren, Hängen, usw.

Aber auch Bewegungen, die uns  im jeweilen Alltagsverhalten unterstützen. Ein Zahnarzt braucht andere Zusatzübungen als der Friseur. Ein Movement-Training trainiert also auch deinen Alltag und sollte an dich selbst und dein Leben angepasst sein.

In meinem Personal Training lege ich sehr viel Wert darauf, dass ein Körper sich wieder gemäß seiner Bestimmung bewegen kann. Es geht dann nicht primär darum, im sportlichen Sinne gut zu performen, sondern den Körper wieder fit für den Alltag zu machen und ihm die Bewegungsreize zuzuführen, die wir im Alltag leider nicht mehr benötigen. Mehr Informationen erhätst Du unter www.gravitycoach.com

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